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Stellenanzeigen richtig lesen

Nicht alles, was in einem Stelleninserat verlangt wird, muss vom Bewerber zwingend erfüllt sein. Erst die genaue Interpretation des Textes schafft Klarheit, was es eigentlich braucht, um bei der Bewerbung trotzdem Aussichten zu haben.

Stellenanzeigen enthalten oft eine grosse Anzahl verdichteter Informationen. Genau lesen lohnt sich, denn beim kurzen Überfliegen schleichen sich häufig Interpretationsfehler ein. Üblicherweise sind die Texte so aufgebaut, dass sie unbedingt benötigte, bedingt benötigte, gewünschte und optionale Anforderungen an den Bewerber aufzählen.

«Unbedingt notwendig»-Anforderungen:

  • Voraussetzung dafür sind sehr gute Kenntnisse in...
  • Perfekte Kenntnisse in... setzen wir voraus
  • Kenntnisse in... sind erforderlich
  • Unabdingbar für die Erfüllung der Aufgaben sind…
  • ...gesucht mit einer abgeschlossenen Ausbildung in...

«Bedingt notwendig»-Anforderungen:

  • Hinreichende Erfahrungen in... sind erwünscht
  • Ausbaufähige Kenntnisse in...
  • ein Höchstalter von... Jahren
  • mit guten Kenntnissen in...
  • erwünscht sind Kenntnisse in..., aber nicht Voraussetzung
  • mit mindestens 2 Jahre Berufserfahrung in...
  • Schön wäre es, wenn Sie… mitbringen

Mit der korrekten Interpretation können Sie viel besser entscheiden, ob Sie für diese Stelle qualifiziert sind und werden sich von den Forderungen auch nicht einschüchtern lassen. Vielfach hat man ja den Eindruck, dass für die einfachste Sachbearbeiterstelle ein Übermensch gesucht wird. Doch denken Sie daran, dass längst nicht alles, was in einer Stellenanzeige gefordert wird, auch erfüllt werden muss. Wichtig ist hingegen, dass Sie die Schlüsselqualifikationen abdecken können. Ein Tipp: Sollten Sie realisieren, dass Sie über- oder unterqualifiziert sind, macht eine Bewerbung absolut keinen Sinn, und die Mühe können Sie sich sparen.

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Interview mit Werner Blumer, Personalberater und Inhaber Real Personal Werner Blumer AG, Zürich (http://www.realpersonal.ch)

jobs.ch: Wieviele Bewerbungen (in %) auf Stelleninserate müssen aussortiert werden, weil die Interessenten nicht den formulierten Kriterien entsprechen?
Werner Blumer: Die Anzahl der Bewerbungen, welche jeweils aussortiert werden müssen, hängt von zwei ganz entscheidenden Faktoren ab: Der wirtschaftlichen Lage und von der Art der Qualifikation der Stelle. In Prozenten lässt sich dies deshalb nur schwer ausdrücken. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten stehen eine sehr grosse Anzahl Stellensuchender einer beschränkten Anzahl vakanter Stellen gegenüber. Auf Stellenangebote für eher weniger qualifizierte Kandidaten und Kandidatinnen melden sich grundsätzlich mehr Interessenten, da die Ausschreibungen tendenziell allgemein abgefasst sind. Zurzeit erleben wir selten Massenbewerbungen auf Vakanzen in den Print- oder Online-Medien.

jobs.ch: Wie genau muss man den Kriterien entsprechen?
Werner Blumer: Die klar definierten Anforderungen sollte man schon erfüllen oder mindestens einen grossen Teil davon. Ich erlebe aber immer wieder sogenannte "Freche Kandidaten", die sich auf gar nicht unsympathische Art hereinmogeln wollen. Immer wieder gebe ich solchen Bewerbungen auch eine Chance. Da steckt klar Neugier im Spiel. Allerdings: Wenn wesentliche Kriterien nicht erfüllt werden können, muss bei einer Bewerbung mindestens ein Kommentar darüber abgegeben werden warum man sich trotzdem bewirbt.

jobs.ch: Was sind und wie erkennt man Kann- und Muss-Kriterien?
Werner Blumer: Schreiben sie nach dem Durchlesen des Stellenbeschriebs stichwortartig die Bedingungen für sich auf. Bilden Sie zwei Gruppen. Die harten Fakten und die weichen Faktoren. So erkennen Sie sofort die Kann- und Muss Kriterien. Nun müssen Sie selber abwägen können, ob sich eine Bewerbung lohnt.