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Berufliche Neuorientierung: so kann’s gehen

Nicht alle sind in ihrem Beruf glücklich oder haben das Glück, überhaupt einen Job zu haben. Dabei kann eine berufliche Neuorientierung neue Türen öffnen. Was es damit auf sich hat, schildern Florence Schreiner und Nathalie Saner, die mit dem Workshop „Lebe deine Arbeit!“ Impulse und hilfreiche Tipps zur beruflichen Neuorientierung geben.

Mathias Steger: Worum geht es im Workshop „Lebe deine Arbeit!“ genau?

Nathalie Saner und Florence Schreiner: Das Ziel des Workshops ist es, den Teilnehmern zu zeigen, wie sie Gestalter ihres eigenen Arbeitslebens werden können und wie sie lernen, das zu leben, was sie sind. Das bedeutet, seine eigenen Begabungen und das, was man mit Begeisterung tut, nicht nur während der Freizeit auszuleben, sondern auch während der Arbeit.

Wie gelingt es, so ein Gestalter des eigenen Arbeitslebens zu werden?

Die wichtigsten Voraussetzungen sind, sich dem eigenen Antrieb im Leben bewusst zu sein, seine Träume und Talente zu kennen und eine Vorstellung vom idealen Arbeitsleben und seinen Rahmenbedingungen zu haben. In unserem Workshop geben wir dazu Impulse und helfen den Teilnehmern, diesen Prozess schneller zu durchlaufen und einen Schritt vorwärts zu kommen, der im Einklang mit ihren Stärken, Träumen und Wertvorstellungen ist.

Wie ist der Workshop aufgebaut?

Der Workshop ist in fünf Phasen unterteilt und dauert 1,5 Tage. In Phase 1 wird zuerst die persönliche Richtung bestimmt und der innere Kompass ausgerichtet. Dabei werden sich die Teilnehmenden ihrem Antrieb und ihren Werten im Leben bewusst. In Phase 2 geht es darum, das eigene Potential zu entdecken. Verschiedene Übungen führen dazu, dass am Ende jeder eine gefüllte Schatzkiste hat mit Bausteinen aus dem, was man gerne tut und gut kann. Mit diesen Schätzen geht es in der Phase 3 um die Ideenfindung für ein zukünftiges Arbeitsleben. Die Gruppe unterstützt sich gegenseitig. In Phase 4 werden die Ideen miteinander verglichen und bewertet, um diejenige herauszufiltern, die am besten zu den eigenen Talenten passt. In Phase 5 geht es ums Testen dieser Idee. Da dies ein individueller Prozess ist und einige Recherchen im Vorfeld gemacht werden müssen, ist diese Phase nicht mehr Bestandteil des Workshops. Jedoch erhält jeder Teilnehmer weiterführende Tipps, wie man die Idee in der Praxis testen kann und welche Schritte für eine Umsetzung hilfreich sind.

An welche Personen richtet sich dieser Workshop?

Unser Workshop ist für Menschen mit einigen Jahren Berufserfahrung, Berufstätige, Wiedereinsteiger und Stellensuchende, die ihrem Arbeitsleben eine neue Richtung geben wollen. Es können Menschen sein, die in ihrem Arbeitsleben nach mehr Sinn suchen, oder die sich fragen, wie es weitergehen soll. Aber auch Menschen, die herausfinden möchten, wie sie sich in ihrem bestehenden Arbeitsumfeld weiterentwickeln können.

Was ist der wesentliche Unterschied zwischen beruflicher Neuorientierung und Jobwechsel?

Sich beruflich neu zu orientieren bedeutet, nochmals aufzubrechen und neue Horizonte, neue berufliche Tätigkeiten zu entdecken, die wirklich zu einem passen. Während dem Prozess kann man allerdings auch zum Schluss kommen, dass der aktuelle Beruf genau der richtige ist und dass es nur darum geht, die Rahmenbedingungen dementsprechend anzupassen oder zu verhandeln. Wenn das beim bestehenden Arbeitgeber nicht möglich ist, dann sollte ein Jobwechsel in Betracht gezogen werden. Ein Jobwechsel bietet sich also dann an, wenn man seinen Beruf zwar liebt und weiss, dass es genau der richtige ist, eine Weiterentwicklung an der bisherigen Stelle jedoch nicht möglich ist.

“Sich beruflich neu zu orientieren bedeutet, nochmals aufzubrechen und neue Horizonte, neue berufliche Tätigkeiten zu entdecken, die wirklich zu einem passen.”

Welche Faktoren sprechen bei einer Person dafür, dass sie an eine berufliche Neuorientierung denken sollte?

Stell dir vor, es ist Montag und alle wollen in die Arbeit. Wer nicht so denkt, sollte sich neu orientieren! Natürlich gibt es auch äussere Umstände, die eine berufliche Neuorientierung erfordern: mangelndes Stellenangebot und wenig Jobs auf dem Arbeitsmarkt oder ein Unfall/eine Krankheit, aufgrunddessen man den bestehenden Beruf nicht mehr ausüben kann. Es braucht jedoch auch die Bereitschaft, sich mit den Fragen zur beruflichen Neuorientierung zu beschäftigen. Die Beantwortung der Fragen, was einem im Leben wichtig ist oder was Arbeit für einen bedeutet, ist nicht „unanstrengend“ und setzt die Fähigkeit zur Selbstreflexion voraus.

Geht es bei der Neuorientierung auch darum, verstecke Talente und Stärken zu entdecken?

Ja, das ist ein ganz wichtiger Teil unseres Workshops. Eine Möglichkeit, sich diese Stärken wieder in Erinnerung zu rufen, ist, sich in die Kindheit oder Jugendzeit zurückzuversetzen. Was hatte man damals gerne gemacht? Was war eine Lieblingsbeschäftigung in der Freizeit oder in den Sommerferien? Denn was man gerne tut, dafür hat man oft auch das Talent. Es lohnt sich auch, die Eltern oder „Gspänli“ von früher zu fragen. Florence z.B. hatte sich als Kind ihre eigene Puppenschule aufgebaut und hatte Lehrerin gespielt. Dabei hatte sie sehr sorgfältig Notenhefte gebastelt und ihre Puppenschüler bewertet. Es war für sie ein Aha-Erlebnis, als diese Erinnerung wieder aufgetaucht ist. Denn sie unterrichtet immer noch mit grossem Vergnügen und ist zudem ein Organisationstalent. Eine andere Art, sich an versteckte Talente zu erinnern, sind Gedankenreisen in Phantasie- oder Parallelwelten. Welten in denen man sich vorstellen kann, dass alles möglich sei – auch ein perfekter Arbeitstag. Wie würde er aussehen?

Ist eine berufliche Neuorientierung bei allen Generationen möglich? Wann ist die Zeit dafür?

Wir sind klar der Meinung, dass eine berufliche Neuorientierung bei allen Generationen möglich ist. Zu spät ist es nie, denn Menschen brauchen eine Aufgabe, in welcher sie aufgehen, der Welt etwas geben können und dafür Wertschätzung erfahren.

Können Sie Erfolgsbeispiele nennen, wie eine berufliche Neuorientierung aussehen kann?

Es gibt die klassischen Erfolgsstories wie die „vom Banker zum Bäcker“ oder „vom Juristen zum Schuhmacher“ – solche Beispiele können wir nicht nennen. Hingegen können wir unsere Teilnehmer sprechen lassen: Die meisten von ihnen haben nach dem Seminar mehr Klarheit in Bezug auf ihre bestehende berufliche Situation und wissen, in welche Richtung es weitergehen soll. Einige von ihnen haben erkannt, dass der jetzige Beruf genau der richtige ist, der ihnen die Möglichkeit gibt, viele ihrer Talente einzubringen und ihre Ideen umzusetzen. Andere wiederum können aufgrund des Workshops besser abschätzen, ob es sich bei der neuen Idee nur um ein Traumschloss handelt oder ob sie tatsächlich umsetzbar ist.

“Eine Möglichkeit, sich diese Stärken wieder in Erinnerung zu rufen, ist, sich in die Kindheit oder Jugendzeit zurückzuversetzen. Was hatte man damals gerne gemacht? Was war eine Lieblingsbeschäftigung in der Freizeit oder in den Sommerferien? Denn was man gerne tut, dafür hat man oft auch das Talent.”

Was sind die Risiken und Gefahren einer beruflichen Umorientierung?

Für uns ist die berufliche Neuorientierung ein Prozess, der langsam reift. Wir empfehlen allen Teilnehmern, die Arbeitsideen sorgfältig zu recherchieren und Schritt für Schritt voranzutreiben. Je nachdem braucht es noch eine Ausbildung oder eine Weiterbildung und da ist es sinnvoll, den bestehenden Job weiterhin auszuüben, aber in Teilzeit. Es ist der langsamere und sicherere Weg, aber wohl auch der anstrengendere, weil man mehrere Aufgaben parallel zu bewältigen hat. Wer es sich leisten kann und auch den Mut hat, voll umzusteigen, der soll das machen.

Gemäss unserem Schritt-für-Schritt-Vorgehen birgt die berufliche Neuorientierung daher keine grossen Risiken, ausser dass man zu rasch aufgibt, wenn mal eine Hürde zu gross ist und man hinfällt. Dann heisst es „Aufstehen, Krone aufsetzen und weitergehen!“. Die viel grössere Gefahr ist es, in seinem Alltag gefangen zu bleiben, sich unfrei zu fühlen und krank zu werden.

Nathalie Saner und Florence Schreiner

Florence Schreiner und Nathalie Saner betreiben gemeinsam die Firma rückVORwärts – Impulse für Arbeit und Leben. Sie sehen Arbeit und Leben als Einheit und erachten die Freude an der Arbeit als besonders wichtig. Ihre Erfahrungen und Kompetenzen geben sie unter anderem als Anbieter des Impuls-Workshops „Lebe deine Arbeit!“ weiter, den sie regelmässig in Basel organisieren und mit dem sie die Teilnehmenden mit einer umfassenden Beratung unterstützen.

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Congi Marilena
sagte am November 8, 2017 at 3:15 pm :

Kindererzieherin

Antworten
Ben Seiler
Ben Seiler
sagte am November 9, 2017 at 7:45 am :

Hallo Marilena

Wenn du auf der Suche nach einer Stelle als Kindererzieherin bist, habe ich schon mal folgende offenen Jobs für dich gefunden:

https://www.jobs.ch/de/stellenangebote/?term=Kindererzieherin&campaign=2

Falls du noch weitere Tipps zum Thema Quereinstieg brauchst, schau doch mal diesen Artikel an: https://www.jobs.ch/de/job-coach/bewerben-als-quereinsteiger/

Liebe Grüsse
Ben

Silvia Giammarruto
sagte am November 8, 2017 at 4:59 pm :

Sehr interessant. Ich bin aber aus Zürich und was kostet dieser 1.5 Kurstag ?

Antworten
Ben Seiler
Ben Seiler
sagte am November 9, 2017 at 7:50 am :

Hallo Silvia

Danke für dein Feedback!

Infos zum Kursort und den Kosten habe ich auf der Website von Florence und Natalie gefunden: http://www.rueckvorwaerts.ch/termine/

Liebe Grüsse
Ben

Patrick Honauer
sagte am November 28, 2017 at 5:04 pm :

Hallo.
Gerne würde ich so einen Workshop in Zürich besuchen.
Haben sie evtl. eine Adresse?
Gruss Partick

Antworten
Ben Seiler
Ben Seiler
sagte am November 29, 2017 at 9:36 am :

Hoi Patrick

Schau doch mal auf der Website von Florence und Natalie – dort findest du alle Infos: http://www.rueckvorwaerts.ch/termine/

Liebe Grüsse
Ben

Christina Keller
sagte am November 28, 2017 at 6:16 pm :

Ich würde gerne etwas mit Blumen machen oder auch Innendekoration.

Antworten
Isabella
sagte am Dezember 3, 2017 at 11:03 am :

Vor Jahren baute ich mir ein zweites Standbein für meinen Lebensweg auf!
Dies sollte in diesem Jahr wahrhaft zu meinem eigenen Anker ⚓️ im Leben werden.
Nach mehr als 20 Jahren in meinem Beruf denke ich an einem Wendepunkt zu stehen.
Mir ist es immer ein Anliegen im Leben gewesen Menschen zu helfen aus diesem Grunde erlernte ich meinen Beruf als Krankenschwester nach Jahren der fort und Weiterbildung mit Spezialisierung im Job wurde ich zum Bossing Opfer!
Jetzt würde ich gerne Menschen mit solchen Problemen helfen.
Das Sie nicht den Mut und die Kraft im Leben verlieren.
Haben Sie Informationen für eine Möglichkeit diesen Weg im Leben einzuschlagen?
Mit freundlichen Grüßen
Isabella

Antworten
Ben Seiler
Ben Seiler
sagte am Dezember 4, 2017 at 9:08 am :

Hallo Isabella

Vielen Dank für deinen Kommentar.

Das ist natürlich schade zu hören, wenn man von bossing betroffen war. Umso toller finde ich deine Einstellung, dass du nun Leuten helfen möchtest.

Ich glaube wenn du dich in diesen Bereich weiterentwickeln möchtest, gibt es Kurse im Coachingbereich oder im Konfliktmanagement, die du besuchen kannst.

Weitere Informationen findest du hier: https://www.ausbildung-weiterbildung.ch/coaching-und-mediation-info.aspx

Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen :-)

Liebe Grüsse
Ben

Ewa
sagte am Dezember 3, 2017 at 1:29 pm :

Und wie geht der Quereinstieg von Kosmetikverkäferin zu IT Consultant?

Ich gehöre womöglich zu den Skeptikern von dem Workshop…

Vor allem der Text unter zur Sicherheit im bestehendem Job zu bleiben, ist ein Wiederspruch zu dem Sinn und Nutzen des Seminars…

Ich bin sehr gespannt auf die tatkräftige Expertise von den Fachleuten!
Die Taten statt Worte des Workshops wären für mich ein KPI für meinen ROI?
Kann das mir jmd garantieren?

Antworten
Ben Seiler
Ben Seiler
sagte am Dezember 4, 2017 at 8:50 am :

Hoi Ewa

Vielen Dank für deine Fragen!

Wie es Florence und Nathalie im Interview gesagt haben, sollte man den Quereinstieg Schritt für Schritt durchführen. Klar, auf den ersten Blick wirkt der Wechsel von Kosmetikverkäuferin zum IT-Consultant immens. Wenn dieser Prozess aber in kleine Etappen unterteilt wird, wird es plötzlich realisierbar.

So ein Wechsel ist natürlich nicht von heute auf morgen möglich, sondern braucht mehr Zeit für die Umsetzung. Deshalb empfehlen Florence und Nathalie zur Sicherheit im bisherigen Job zu bleiben, bis man es sich leisten kann und den Mut hat, voll umzusteigen.

Liebe Grüsse
Ben

Ernst Zryd
sagte am Dezember 3, 2017 at 1:39 pm :

Sagt den Bewerbern/innen, dass sie im Motivationsschreiben dem/r Personalverantwortlichen begründen warum er/sie zu einem Vorstellungsgespräch einladen soll. Die Personalverantwortlichen haben nicht die Zeit alle Unterlagen zu lesen um den Grund für ein Vorstellungsgespräch herauszufinden. Deshalb wird oft nur nach 2-3 Kernkompetenzen gesucht und wenn diese nicht vorhanden sind gibt es eine Standardabsage. Natürlich werden oft Bewerber/innen nicht berücksichtigt, die eine wertvolle Ergänzung im Team wären.

Antworten
Sabrina
sagte am Dezember 10, 2017 at 11:25 am :

Hallo!
Ich arbeite zur Zeit im Büro (Aktenlogistik), nun möchte ich etwas in die Richtung Assistentin machen. Welche Richtungen gibt es? Da ich 60% arbeite und auch noch Mami bin sollte die Ausbildung mit beidem vereinbar sein oder evtl. sogar zeitgleich mit einer neuen Stelle?

Besten Dank!

Antworten
Ben Seiler
Ben Seiler
sagte am Dezember 11, 2017 at 9:07 am :

Hoi Sabrina
Meiner Meinung nach musst du für diese berufliche Weiterentwicklung nicht unbedingt eine Weiterbildung absolvieren. Versuche, mit deinem jetzigen Arbeitgeber über deinen Jobwunsch zu reden. Vielleicht gibt es ja die Möglichkeit, dass du dich intern weiterentwickeln kannst. Eine zweite Option wäre, dass du dich auf eine neue Stelle als Assistentin bewirbst und dabei deine bisherigen Erfahrungen im Bürobereich hervorhebst. Dazu könnte der folgende Beitrag für dich interessant sein: https://www.jobs.ch/de/job-coach/bewerben-als-quereinsteiger/
Ich hoffe, ich konnte weiterhelfen :-)
Liebe Grüsse
Ben

Sabine egger
sagte am Februar 2, 2018 at 9:13 am :

Ich arbeite zur zeit im verkauf teilzeit
Und daneben in der katholischen kirche. Dort möchte ich auch bleiben
Ich liebe es nit leuten zu arbeiten zu helfen usw. Egal ob gross oder klein.
Das wäre mein ding

Antworten

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