Job Coach > Wie gehts nach der Lehre weiter? Teil 1 vom Bewerbungsworkshop für LehrabgängerInnen und BerufseinsteigerInnen

Wie gehts nach der Lehre weiter? Teil 1 vom Bewerbungsworkshop für LehrabgängerInnen und BerufseinsteigerInnen

«Seit letztem Herbst schreibe ich Bewerbungen, doch nirgends gab’s eine Zusage», sagt Marina, 20, KV-Abgängerin. Sie ist eine von vielen Teilnehmenden, die Schwierigkeiten haben, ins Berufsleben einzusteigen und darum am Bewerbungsworkshop Youth Empowered von Pro Juventute und Coca-Cola HBC teilnehmen. Hier lernen die Teilnehmenden an einem Tag, wie sie ihre Bewerbungsunterlagen auf Vordermann bringen, ihr LinkedIn-Profil vorteilhaft gestalten und sie erfahren, wie sie im Vorstellungsgespräch wirken – durch Live-Coaching.

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Die Tische sind in der Hufeisen-Formation angeordnet, es erinnert fast ein bisschen an ein Klassenzimmer. Nachdem die Vorstellungsrunde vorbei ist, frage ich Marina, was denn bei ihr in der Jobsuche Schwierigkeiten bereite. «Meine Bewerbungsunterlagen können es nicht sein, denn zu einem Vorstellungsgespräch wurde ich schon oft eingeladen», sagt sie und senkt den Blick auf Ihre Bewerbungsunterlagen, die sie ausgedruckt mitgebracht hat. Aber immer werde Berufserfahrung vorausgesetzt, erklärt mir Marina, «da hat man es als Lehrabgängerin sehr schwierig». Was ihre Erwartungen vom heutigen Workshop seien, will ich wissen. «Ich möchte vor allem lernen, wie ich meine Stärken und Schwächen beim Bewerbungsgespräch besser verkaufen kann.»

Nicht das Passende finden, sondern das Passende suchen

Mehr Zeit zum Plaudern gibt’s nicht, denn der erste Workshop zum Thema Standortbestimmung fängt gleich an. Geleitet wird der Workshop von Laufbahnberater Markus Dieth, der fast ein bisschen wie Bumann, der Restauranttester, aussieht – einfach ohne Walliser Akzent und mit konstruktiverem Feedback. Er fragt die Teilnehmenden, was ihre Interessen sind und welchen Weg sie bisher gegangen sind. «Häufig versuchen wir, das Passende zu finden, anstatt das Passende zu suchen. Das ändern wir heute, indem wir uns mit uns selbst, mit unseren Stärken und Schwächen und mit unserem Selbstbild auseinandersetzen.»

“Und wenn man endlich eine Lehre gefunden und erfolgreich abgeschlossen hat, kommt die grosse Frage: Wie geht’s jetzt weiter?”

Jede(r) Teilnehmende hatte im Vorfeld einen Typologie-Test gemacht, um die eigene Persönlichkeit einzuschätzen. Fünf Parameter, beispielsweise ob man extro- oder introvertierter ist oder Planung stärker gewichtet als Improvisation, geben allen Teilnehmenden ein genaueres Selbstbild. Und auf Basis dieses Selbstbilds gibt Markus den Teilenehmenden einen individuellen Ratschlag für das Bewerbungsgespräch und das eigene Auftreten. Nach 45 Minuten ist der Workshop zu Ende und die Teilnehmenden gehen weiter in die Pause – ich bleibe noch kurz bei Markus.

Portraitfoto von Laufbahnberater Markus Dieth
Laufbahnberater Markus Dieth hilft den Stellensuchenden, ihre Stärken und Schwächen besser herauszuarbeiten.

Markus, was ist das grösste Problem bei Jugendlichen, die auf Jobsuche sind?

Ich merke immer wieder, dass es bei vielen am Selbstmanagement hapert. Wie man mit den Anforderungen des Arbeitsmarktes umgeht, wie man sich neu orientieren kann, wenn ein Weg nicht weitergeht. Die Eltern haben früher immer gefordert, dass man eine Lehrstelle suchen soll. Und wenn man endlich eine Lehre gefunden und erfolgreich abgeschlossen hat, kommt die grosse Frage: Wie geht’s jetzt weiter? Entspricht dieser Beruf überhaupt meinen Interessen? Bin ich glücklich, oder will bzw. muss ich noch etwas verändern? Und hier kommt das Selbstmanagement zum Einsatz, indem man sich der Realität der Arbeitswelt stellt, erneut Bewerbungen verschickt, sich informiert, vernetzt und gezielt Unterstützung holt. Was es aber auch braucht, ist Ausdauer. In der heutigen, schnellen Gesellschaft haben die Jugendlichen oft das Gefühl, dass die Jobsuche im Handumdrehen getan sei – doch das ist ein grosser Irrtum.

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Welche Schritte können Jugendliche konkret machen, um ihre Jobsuche zu verbessern?

Da gibt es drei Schritte, die man durchgehen sollte. Erstens seinen Standort bestimmen, d.h. die Ist-Situation aufnehmen. Zweitens die Perspektiven, also wo man hinwill, herausfinden. Und drittens den Weg bestimmen, wie man dort hinkommt. Beispielsweise, wenn jemand eine Grundausbildung absolviert hat (Ist-Situation), dann ein Spezialist in einem Gebiet werden will (Perspektive) und dafür eine spezifische Weiterbildung absolvieren muss (Weg). Wichtig ist, dass man in Bewegung bleibt und die Schritte auch wirklich geht. Ein junger Mann holte sich nach seiner Kündigung kürzlich von mir Tipps für seine Jobsuche. Auf meine Aufforderung, sofort aktiv zu werden, meinte er, drei Wochen habe er noch Zeit, bis er einen Job suchen müsse. Sein Vertrag laufe ja noch bis Ende Monat. Darauf antwortete ich, dass er nicht nur einen Plan sondern auch Zeit brauche, um sich im Stellendschungel zurechtzufinden. Denn bis es zu einer Entscheidung im Bewerbungsprozess eines Unternehmens kommt, können manchmal Monate vergehen – das vergessen viele.

Wie wichtig ist Social Media in der Jobsuche?

Social Media, insbesondere ein Networking-Plattform wie LinkedIn oder Xing, ist für jene wichtig, die bereits im Berufsleben stehen und denen es wirklich ums berufliche Netzwerk geht. Ich bezweifle, dass Unternehmen Berufseinsteiger auf diesen Plattformen suchen, aber wenn jemand sich profilieren möchte, geht das mit so einem Profil sehr gut. Nicht selten werden solche Profile auch von zukünftigen Arbeitgebern angeschaut. Aber so ein Profil benötigt Seriosität und viel Pflege; wenn man es erstellt hat, sollte es laufend à jour gehalten werden. Damit man es vorzeigen kann, wenn man es braucht.

Wie es am Bewerbungsworkshop weitergeht und wie es Marina dabei ergeht, erfahrt ihr im zweiten Teil.

 

Wie man als LehrabgängerIn oder BerufseinsteigerIn Bewerbungsunterlagen vorbereitet – Teil 2 Read more

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