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Der Café-Knigge fürs Arbeiten unterwegs

3 Min.

Ich war für ein Meeting in Vevey und kam etwas früher an als geplant. Mit etwas Zeit im Gepäck setzte ich mich in ein Café in der Nähe und bestellte einen Kaffee – vielleicht liess sich ja noch ein bisschen arbeiten, bevor es weiterging. Bevor ich den Laptop aufklappte, fragte ich den Barista, ob das okay sei. Ein kurzer, etwas überraschter Blick – dann ein Nicken. Es war in Ordnung. Und damit war der Rahmen gesetzt.

Cafés als flexible Arbeitsorte

Heute stehen Laptops ganz selbstverständlich neben Kaffeetassen, und es ist längst nichts Besonderes mehr, wenn jemand an einem Ecktisch Bewerbungen schreibt, Dokumente vorbereitet oder an einem Online-Meeting teilnimmt.

Gerade für Menschen am Anfang ihrer Laufbahn sind Cafés oft ein praktischer Ort. Hier lässt sich konzentriert arbeiten, Vorstellungsgespräche vorbereiten, einen Online-Kurs verfolgen oder die Zeit zwischen zwei Terminen sinnvoll nutzen. Weniger formell als ein Büro, aber lebendiger als eine Bibliothek – irgendwo dazwischen eben.

Cafés bleiben Begegnungsorte

In ganz Europa sind Cafés fester Bestandteil des Alltags. Man trifft sich, beobachtet das Geschehen oder verbringt einfach Zeit, ohne festes Ziel. Diese Rolle bleibt, auch wenn Cafés heute mehr Funktionen übernehmen. Sie sind und bleiben Orte, die man mit anderen teilt – und genau das ist entscheidend.

Einige Cafés machen ihre Haltung deutlich. Im Monocle Café in Zürich zum Beispiel sind Laptops grundsätzlich nicht erlaubt. Punkt. Andere gehen flexibler damit um. Dort darf man unter der Woche mit dem Laptop arbeiten, am Wochenende sind die Plätze dann fürs Essen und Zusammensein gedacht. Die Regeln unterscheiden sich, aber das Grundprinzip ist meist dasselbe.

Respekt zeigt sich im Kleinen

Arbeiten im Café wirkt vielleicht informell – aber auch im öffentlichen Raum sendet unser Verhalten Signale. Wie viel Platz du brauchst, wie lange du bleibst, wie du mit anderen umgehst – all das zeigt, wie achtsam und rücksichtsvoll du bist. Diese Gewohnheiten entwickeln sich oft früh, lange bevor du einen festen Arbeitsplatz oder ein Namensschild am Büroeingang hast.

Wenn es keine klaren Regeln gibt, hilft meist der einfachste Weg: Frag nach. Eine kurze Frage zeigt Respekt für den Ort und für die Menschen, die dort arbeiten. Und sie bleibt in Erinnerung.

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Auch Cafés sind Arbeitsplätze

Das Team vor Ort kümmert sich um Geräuschpegel, Sitzplätze und den laufenden Betrieb. Wer das mitdenkt, macht es für alle angenehmer.

Gutes Urteilsvermögen zeigt sich in Alltagssituationen

In manchen Ländern verschwimmt die Grenze zwischen Café und Büro bereits zu stark. In Südkorea etwa hat sich das Phänomen „Cagongjok“ entwickelt: Menschen verlegen ihren kompletten Arbeitstag ins Café – mit Bildschirm, Dockingstation und sogar Drucker. Was als flexible Lösung beginnt, kann schnell zu viel werden.

So arbeitest du wie ein Profi im Café

Ein paar einfache Tipps helfen dir, das Beste aus deiner Café-Zeit zu machen – für dich und dein Umfeld:

  • Frag freundlich nach: Ein kurzer Check zeigt Respekt und wird fast immer geschätzt.
  • Wähle eine ruhige Zeit: Vermeide Stosszeiten wie die Mittagszeit, wenn du länger bleiben möchtest.
  • Bestelle etwas, bevor du loslegst: Eine kleine Geste mit grosser Wirkung.
  • Halte dein Setup kompakt: Laptop und Notizbuch reichen. Weniger ist mehr.
  • Such dir einen passenden Platz: Einzeltische sind für Einzelpersonen. Lass grosse Tische frei für Gruppen.
  • Beobachte die Umgebung: Schau, wie andere den Raum nutzen – und pass dich an.
  • Sei leise und rücksichtsvoll: Nutze Kopfhörer. Halte Gespräche kurz und diskret.
  • Vermeide vertrauliche Inhalte: Cafés sind öffentlich und nicht der Ort für sensible Gespräche oder Interviews.
  • Bestelle nach, wenn du länger bleibst: Du nutzt den Raum – bestelle etwas.
  • Hinterlasse deinen Platz ordentlich: Räume Tassen weg, wisch Krümel ab, mach Platz für die nächsten.
  • Erkenne, wann es Zeit ist zu gehen: Wenn das Café voll wird, gib anderen Raum.

Fazit: Aufmerksamkeit schafft Atmosphäre

Im Café zu arbeiten kann inspirierend, produktiv und angenehm sein – wenn man mitdenkt.

Viele berufliche Gewohnheiten entstehen in kleinen, alltäglichen Momenten. Wie du dich in einem Café verhältst, wenn keine Regeln auf dem Tisch liegen, sagt viel aus.

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