Zürich
Gründer Fredi Durot im Interview | Durot Electric
- 07 août 2026
- 100%
- Durée indéterminée
- Zürich
À propos de cette offre
Solche Fehler klingen teuer. Aber auch die Entwicklung nach so vielen Standards dürfte kostspielig sein.
Das ist so. Lehrgeld zu bezahlten ist bitter. Setzt man von Beginn an und konsequent auf Sicherheit, kosten die ersten Entwicklungsphasen natürlich mehr als sonst. Aber das ist in allen Bereichen der Entwicklung so. Wenn man ein Fahrzeug beispielsweise nicht sauber durchsimuliert, dann rächt sich das später auch. Es gilt also, eine Entwicklung vom Start weg gesamtheitlich anzugehen und sich so vor Folgekosten zu schützen.
Konsequenterweise müsstet ihr den Kunden von Anfang an begleiten. Ist das ein cleveres Verkaufsargument oder Notwendigkeit?
Es ist schlichtweg am effizientesten, einen Entwicklungsdienstleister von Beginn an miteinzubeziehen. Nur so kommen ganzheitliche Resultate zu Stande.
Wenn man sich das Umfeld, in dem ihr euch bewegt, so anschaut, scheint das alles sehr komplex. Gelingt es euch, in diesem Umfeld Mitarbeitende zu rekrutieren? Und das gerade jetzt, wo der Markt so richtig hochläuft?
Der Schweizer Arbeitsmarkt ist im Bereich Engineering – insbesondere in unserem Umfeld – relativ ausgetrocknet. Trotzdem schaffen wir es, ausgewiesene Expertinnen und Experten anzuziehen, die viel Know-how mitbringen. Gerade weil wir gute Seniors haben, können wir punktuell und gezielt junge Talente fördern.
Aber wenn ich mich hier herumschaue, dann sehe ich vorwiegend erfahrene Ingenieure.
Weil wir seit 15 Jahren in diesem Business sind, ist unser Netzwerk entsprechend gross. Dank diesem Netzwerk konnten wir bis anhin die richtigen Leute mit dem entsprechenden Erfahrungsschatz für unsere Sache gewinnen und begeistern.
Und trotzdem plant ihr Gerüchten zu folge einen Standort in Winterthur. Was bewegt euch dazu, euch mehr Richtung östliches Mittelland zu orientieren?
Das hat damit zu tun, dass wir die Nähe zu Hochschulen suchen. Darunter beispielsweise die ETH sowie die ZHAW. Dazu kommt die Nähe zu vorhandenen Mitarbeitenden aus der Region Zürich und die bei uns fortgeschrittene Digitalisierung. Pendeln ist Zeit- sowie Ressourcenverschwendung. Unser Ansatz ist also, mehrere eigenständige Teams zu bilden. Und zwar dort, wo die talentierten Leute sind.
Sichtwort Arbeitsformen und -Modelle: wie sollen die Teams von Durot Electric künftig aufgebaut werden? Plant ihr interdisziplinäre Teams mit mehreren Experten für ein Projekt oder durchläuft es verschiedene Abteilungen je nach Stadium.
Wir beschäftigen fähige Allrounder aber auch Fachexperten. Die Teams sind bedarfsgerecht zusammengestellt. Grundsätzlich wollen wir diese Struktur beibehalten. Bis zu zwanzig Personen ist das für die Geschäftsleitung in der heutigen Form handelbar. Sind es mehr, sehen wir den Weg von kleinen und agilen Teams, die sich jeweils bei zentraler Stelle dem Know-how bedienen können.
Bei euren Kunden ist das etwas anders. Die sind deutlich grösser, auch wenn viele davon als KMU durchgehen. Was gibst du Firmen mit, die ihr erstes oder ein neues Elektrofahrzeug entwickeln?
Es braucht auf jeden Fall eine technisch kompetente Projektleitung, die für das Projekt brennt und den Strom quasi im Blut hat. Die entsprechende Person sollte die Möglichkeit erhalten, ein Team zusammenzustellen, dass sich von dieser Begeisterung anstecken lässt. Entwicklung ist Teamarbeit. Da spielen unterschiedliche Disziplinen zusammen und verschiedene Prozesse greifen ineinander, weshalb die Projektleitung der Schlüssel zum Erfolg ist.
Trotzdem entwickelt oft ihr die Gesamtfahrzeuge für die Kundschaft und unterzeichnet entsprechende Geheimhaltungsvereinbarungen. Ist es nicht bitter, nicht als Schöpfer des „eigenen“ Fahrzeugs dazustehen? Oder freut ihr euch über den Erfolg eurer Kundschaft?
Natürlich freuen wir uns über den Erfolg unserer Kundschaft. Zudem sind die Fahrzeuge und Maschinen immer auch unsere Babys. Generell verfolgen wir den Ansatz, unser Know-how nicht allein bei uns zu behalten. Wir wollen Kunden etwas auf den Weg geben und sie dazu verleiten, intern Personal aufzubauen. Wenn sie sich anschliessend mehr trauen und weitermachen, fördert das die Elektromobilität. Zudem bleiben wir meist erste Anlaufstelle bei heiklen Fragen sowie für zukünftige Projekte. Wir sind deshalb bestrebt, immer am Puls der Technik zu bleiben.
Durot Electric gibt es nun seit fünf Jahren. Was hat sich an der ursprünglichen Strategie verändert?
Man passt sich sicher immer etwas den Kunden an. Das soll auch so sein. Wir mussten lernen, flexibel auf die Auftragslage reagieren zu können. Was sich deutlich etwas anders entwickelt hat als gedacht, ist der Markt für Retrofits. Initial als Standbein angedacht, bearbeiten wir heute fast ausschliessend Projekte von Geschäftskunden. Das ist auch damit begründet, dass wir nur Fahrzeuge entwickeln, welche ohne Einschränkungen praxistauglich sind. Dafür braucht es im Bereich von Retrofits aber enorm viele Ingenieurstunden – da muss man erst jemanden finden, der das bezahlt. Wir sprechen von einem Vielfachen der Kosten eines Fahrzeugs ab Stange. Das Retrofit hat aber trotzdem noch eine Zukunft – beispielsweise bei kleineren Manufakturen.
Sprechen wir über Trends. Welche Entwicklungen und Ideen beschäftigen euch marktseitig?
Kernentwicklungen sind für uns der Bereich Funktionale Sicherheit und das autonome Fahren. Gerade im Maschinenbereich eröffnet sich hier ein unglaubliches Potenzial.
Ein Beispiel?
Die letzte Meile. Hier könnte man künftig auf kleinere, aber autonome Fahrzeuge setzen. Das gleiche gilt auch für Dumper in Kieswerken. Da muss niemand mehr steuern, um von A nach B zu kommen.
Ein Trend kommt bekanntlich selten allein. Man spricht ja von Konnektivität, Autonomie, Elektromobilität und Sharing-Modellen. Was tut sich da bei der Kundschaft?
Es gibt viele Anwendungen, an welche man gar nicht erst denkt. Beispielsweise ein Tunnellüfter wie wir ihn entwickelt haben. Als Verbrenner ist er in der Form gar nicht vorstellbar. Bei den Fahrzeugen, die heutzutage immatrikuliert sind, kann eigentlich jedes Dieselfahrzeug elektrifiziert und automatisiert werden. Vom Flughafenvorfeld bis zur Baustelle. Das Marktpotenzial und die Arbeit, die hier noch ansteht, sind riesig. Doch die Arbeit wird nicht allein durch uns bewältigbar sein. Da braucht es noch viele andere „Durot Electrics“.
Dann erübrigt sich ja die Frage nach Wachstumsplänen.
Wir versuchen natürlich, so zu wachsen, dass wir unsere Kundschaft bestmöglich bedienen können. Wir wachsen grundsätzlich organisch und aus bestehenden Projekten heraus. Es gibt aber eine Obergrenze, die wir als Techniker und Geschäftsführer handeln können.
Interessant. Bereust du es, dass du nicht der Entwickler des elektrischen Opel Manta bist?
Ähm, nein. Ich fahre einen Ampera. Meine persönliche Zeit in der Pkw Entwicklung ist ohnehin durch. Für mich war es aber bereichernd, dass ich den ersten Hypercar mitentwickeln durfte. Die erste elektrische Weltumrundung, der erste Hybridrennwagen, der erste Brennstoffzellen-Rennwagen, …
Wirklich nicht?
Nein. Wir machen jetzt spannendere Sachen. Oder muss ich sagen ja?
Ja.
Ja ich bereue es. Ich wollte das schon jahrelang machen. Jetzt macht es Opel selbst. Wir hätten es eigentlich selbst machen wollen.
Ich wusste es. Danke für das spannende Interview.