Wald
Primarschule Wittenbach - erstellt mit PUPIL
- 07 August 2026
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Der Wald als Lernort
Seit Anfang des Schuljahres 2023/24 besuchen zwölf Kinder das neue Angebot des Waldkindergartens. Auch für die Waldkindergartenlehrperson Jana Gautschi ist das Unterrichten in der Natur eine neue Erfahrung. Begeistert erzählt sie von ihren Erfahrungen aus dem ersten halben Jahr und kommt ins Schwärmen. Da möchte man grad selbst nochmals Kind sein und bei ihr den Waldkindergarten besuchen.
Jana Gautschi, im August ist der Waldkindergarten angelaufen. Wie ist das Fazit nach dem ersten halben Jahr?
Ich kann es mir nicht mehr vorstellen, mit den Kindern drinnen im Kindergarten zu sein. Das Lernen draussen ist nah am Leben, nah an unserer Umwelt und das macht das Lernen unglaublich schön und natürlich. Wenn beispielsweise ein Sturm durch den Wald zog und ein Baum umknickte, geben wir diesem Phänomen Zeit, beobachten und lernen gemeinsam, machen es zu unserem Thema. Wie sieht die Bruchstelle aus, gibt es Spuren von Lebewesen, sehen wir die Jahrringe? Durch das direkte Erleben mit allen Sinnen ist das Interesse der Kinder gepackt. Die vielen gemeinsamen und intensiven Erlebnisse haben uns zu einer großartigen Gruppe zusammengeschweisst.
Wo liegen die Unterschiede bzw. die Gemeinsamkeiten zum konventionellen Kindergarten?
Auch für uns gilt der Lehrplan und wir vermitteln die gleichen Kompetenzen. Wir haben auch unsere Rituale, die uns durch den Morgen führen, z.B. das Begrüssungslied, unsere Waldwesen, die in ein Thema einführen, den gemeinsamen Znüni, das freie Spiel. Wir haben jedoch keine strukturierten Spielsachen, kein Puppenhaus. Ein Tannzapfen erhält Öhrchen und wird zur Maus oder ein Ast kann grenzenlos alles sein, was die Fantasie hergibt. Wir arbeiten mit dem, was uns die Natur gibt, das ist wetter- und jahreszeitenabhängig und ändert sich stetig. Dadurch gibt es immer wieder andere Spielmöglichkeiten.
Kann das die Kinder auch überfordern?
Überfordern nicht, aber es kann eine Herausforderung sein, ohne Playmobil-Figuren oder Lego in ein Spiel zu finden. Das Spiel im Waldkindergarten ist unstrukturiert, offen und regt die Fantasie stark an. Gewisse Kinder waren anfangs zurückhaltend, haben mehr beobachtet, sich vielleicht auch mal gelangweilt, weil sie nicht wussten, wie sie im Wald spielen können. Inzwischen sind alle Kinder angekommen und sprudeln nur so vor Ideen, was sie machen könnten. Wir haben viel zu wenig Zeit zum Spielen, heisst es jetzt oft.
Es wird langsam wieder Frühling, wie muss man sich den Waldkindergarten im Winter vorstellen?
Ui das war kalt. Wir mussten uns richtig warm einpacken und verbrachten die gesamte Zeit in Bewegung. Wir haben unsere kleinen Tricks, wie wir die Kinder in Bewegung halten. So kam der freche «Eismocken» - das ist ein mühsamer Kerli, den es zu vertreiben gilt. Die Kinder erfinden schnell selbst Strategien, wie sie diesen verjagen können – und das hält schön warm.
Habt ihr den Morgen nie drinnen verbracht?
Doch, doch. Zweimal war es stürmisch draussen und damit im Wald zu gefährlich. Ausserdem haben wir entschieden, in der kalten Jahreszeit einmal in der Woche den Kindergarten drinnen zu gestalten. Die Kinder lernen das Schulhaus kennen und wir können die Turnhalle nutzen. Das ist eine willkommene Abwechslung zum Waldalltag.
Mit wie vielen Kindern rechnest du für das nächste Schuljahr?
Hoffentlich viele. Zehn Kinder haben wir sicher und je mehr es werden, desto abwechslungsreicher und spannender ist es für die Gruppe. Wir bieten im Februar zwei Schnuppermorgen an, damit interessierte Kinder und Eltern erfahren können, wie das bei uns läuft. Ich bin dann selbst gespannt, wie gross die Resonanz sein wird, wenn der Waldkindergarten ins zweite Jahr startet.
Isabelle Niedermann im Interview mit Jana Gautschi