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Wie gebe ich meinen Arbeitskollegen richtig Feedback?

„Wir leben eine offene Feedback-Kultur“ – Wer hat das noch nicht gelesen? Mit positivem und anerkennendem Feedback fördert man ein produktives Arbeitsklima – auch unter Kollegen. Es motiviert und steigert die Bereitschaft, auch kritisches und negatives Feedback anzuerkennen und Mängel zu beseitigen. Aber was es bedeutet, richtig Feedback zu geben, wissen die wenigsten.

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Man könnte denken, in vielen Betrieben herrscht die Meinung, fehlende Kritik sei gleichbedeutend mit Lob. Doch wenn man keine positiven Rückmeldungen erhält, versucht man das Bedürfnis nach Lob auf indirektem Weg zu stillen, etwa indem man seine eigene Arbeit stärker hervorhebt – wirklich nachhaltig ist das nicht.

Was ist überhaupt Feedback?

Feedback ist eine Methode, um die Beziehung zwischen Personen zu klären und das gegenseitige Verstehen zu unterstützen. Mit Feedback kann man auch die Beziehungsentwicklung zwischen einer Person und einer Gruppe verbessern oder korrigieren. Ein kritisches Feedback um etwas zu korrigieren ist oftmals sehr schwierig, da man die Betroffenen mit unangenehmen Wahrheiten konfrontiert.

Langes Feedback

Ein neuer Arbeitskollege hat bei euch angefangen, du kennst ihn noch nicht gut, aber hast bereits einen tiefgreifenden Kritikpunkt, über den du mit ihm sprechen möchtest. Nimm dir dafür Zeit und vereinbare einen Termin mit ihm, um ausführlich darüber zu reden. Wichtig: Betone am Anfang, dass du persönlich und sachlich an einer gemeinsamen Lösung und guten gemeinsamen Zusammenarbeit interessiert bist – du musst es aber auch ehrlich meinen!

Du kannst auch am Anfang auf positive Erfahrungen mit dem Betroffenen hinweisen, danach konfrontierst du ihn mit dem störenden Verhalten. Zuerst beschreibst du das beobachtete Verhalten konkret. Danach erläuterst du mit Blick auf menschliche, fachliche und organisatorische Aspekte die Probleme, die sich daraus für dich ergeben. Abschliessend sagst du, welche Gefühle das in dir ausgelöst hat und welche Veränderung du dir wünschst.

Beispiel:

„Danke für deine wichtigen Inputs beim letzten gemeinsamen Projekt – sie haben mir sehr weitergeholfen. Nun beschäftigt mich ein Problem, dass unsere Zusammenarbeit betrifft, und das möchte ich gerne klären. Bei den letzten beiden Meetings für das gemeinsame Projekt warst du abwesend, ohne mich vorher informiert zu haben. Darum konnten wir den letzten Teilschritt nicht durchführen und geraten nun in Zeitdruck. Ich war irritiert und verärgert, weil du ich du sonst sehr verlässlich bist. Ich wünsche mir, dass du das nächste Mal wieder dabei bist – und den Teilschritt im Projekt so vorbereitest, dass wir nicht in Verzug geraten.“

Kurzes Feedback

Kennst du den Arbeitskollegen schon länger und habt ihr ein gutes Vertrauensverhältnis, so bleibt das Feedback von der Art und Weise ähnlich, aber kann auf drei Punkte abgekürzt werden:

  1. Dein Interesse (an dir, an der Zusammenarbeit, an der gemeinsamen Sache)
  2. Deine Schwierigkeit (mit dem Betroffenen)
  3. Dein Wunsch (an den Betroffenen)

„Zusammen können wir dem Kunden eine echt lässige Lösung anbieten. Mich plagt hierbei ein Problem. Oftmals bist du nicht erreichbar oder beantwortest meine Anfragen zu spät. Ich wünsche mir eine schnellere Reaktion und bessere Erreichbarkeit von dir.“

Ein No-Go ist es, alte Geschichten wieder auszugraben – und einfach deinem Ärger Luft zu machen in dem du Schuldzuweisungen machst. Das ist weder fördernd noch zielreich.

Regeln für ein wirksames Feedback

  • Konkret bleiben und dich auf Einzelheiten beziehen
  • Lass deine Beobachtung von andern nochmals checken
  • Sachlich und konstruktiv bleiben
  • Nicht verletzend sein
  • Keine unterschwelligen Botschaften einbauen
  • Moralische Bewertungen unterlassen
  • Offen und ehrlich bleiben
  • Auch zugeben, wenn du dich irrst
“3 K’s beachten: Kurz – Konkret - Konstruktiv”

Wenn regelmässig konstruktives Feedback gegeben wird und die Bereitschaft der Teammitglieder dazu da ist, ergibt sich die Chance für jeden einzelnen, seine Selbstwahrnehmung mit der Fremdwahrnehmung zu vergleichen.

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